Wegen der kleineren Brennweiten der Objektive sind die Verstellwege kürzer und es bleibt genug Spielraum für den Makrobereich. Auch bei der Schärfentiefe bietet die Digicam einen Vorteil. Denn je kleiner der Abbildungsmaßstab, desto größer ist die Schärfentiefe. Da die kompakten Digitalkameras durchweg kleinere Abbildungsmaßstäbe aufweisen, ist die Schärfentiefe, also der Bereich des Motivs, der klar und deutlich zu erkennen ist, recht groß. Bei der Makrofotografie macht sich der Schärfegewinn positiv bemerkbar; bei der Porträtfotografie hingegen entpuppt sich dieser Vorteil als Nachteil. Denn hier lässt sich der Hintergrund nur durch extremes Abblenden in der gewünschten Unschärfe auflösen.
Einen weiteren Vorteil verbucht die Digitale durch ihren Monitor. Abgesehen davon, dass die Ergebnisse sofort überprüft werden können, lässt sich durch den Blick auf das Display auch das Parallaxenproblem, wie es vor allem bei preiswerten kompakten analogen Sucherkameras auftritt, umschiffen. Dieser unerwünschte Effekt, bei dem das Sucherbild nicht mit dem tatsächlichen Bildausschnitt übereinstimmt, verstärkt sich, je näher die Kamera an das Motiv heranrückt. Der Monitor der Digitalkamera zeigt dagegen exakt das, was das Objektiv "sieht". Die in vielen Kameras optional einblendbaren Gitternetzlinien helfen bei der Bildgestaltung und Ausrichtung von Motivteilen.
Nah, näher, Makro
Von einer Makroaufnahme spricht man, wenn das Motiv im Abbildungsmaßstab von mindestens 1:1, also in seiner Originalgröße abgebildet wird. Bei einem Abbildungsmaßstab von beispielsweise 5:1 wird das Motiv fünffach vergrößert. Auch digitale Kompaktkameras erreichen derzeit Abbildungsmaßstäbe von 1:1. Damit dringen sie zwar noch nicht in den Mikrokosmos vor, kommen aber "nah" genug ans Motiv ran, um den so genannten Nahbereich (50 Zentimeter bis Abbildungsmaßstab 1:1) abzudecken.
Licht und Lichtstimmung
Ein Tipp zum Blitz: Bei der Nah- und Makrofotografie wird zumeist der notwendige Mindestabstand der eingebauten Blitzgeräte unterschritten. Folglich werden die Bilder zu hell. Deshalb sollte der eingebaute Blitz besser abgeschaltet werden. Arbeiten Sie lieber mit längeren Belichtungszeiten und einem Stativ. Dadurch gewinnen Sie mehr Schärfentiefe und können die Kamera in aller Ruhe einstellen. Nützlich sind kleine Aufheller, die aus Papier, Pappe und Alufolie selber gebastelt werden können. Diese lenken zusätzliches Licht auf das Motiv und geben diesem je nach verwendetem Material eine zusätzliche Färbung. Während weißes Papier farbneutral aufhellt, stellt Alufolie das Motiv in ein kälteres und goldene Folie das Motiv in ein wärmeres Licht.
Die richtige Motivwahl
Die Wahl des Motivs ist noch wichtiger als Überlegungen zur Technik. Beschränken Sie sich immer auf ein Detail. Natürlich sind Motive aus
Flora und Fauna in gewisser Weise prädestiniert für attraktive Nahaufnahmen. Doch wer sich auf ein Detail beschränkt, kann letztlich jedem Objekt eine "nahe Seite" abgewinnen. Bei allem was "kreucht und fleucht" kommt die Bewegung als erschwerender Aufnahmefaktor beim Fotografieren hinzu. Aufgrund des kleinen Schärfebereichs krabbeln zum Beispiel Insekten schnell aus dem Fokus. Hinzu kommt die Fluchtdistanz: Nicht alle Tiere mögen die Nähe des Fotografen und suchen dementsprechend schnell das Weite. Für den Einstieg in die Makrofotografie sind also statische Motive wie Blüten, Muscheln und Steine zu empfehlen.
Hier weitere Tipps für die Praxis:
- 1. Benutzen Sie - falls vorhanden - die "Blümchen"-Taste für die Naheinstellung.
- 2. Achten Sie auf das Licht und die Schatten, die die Kamera eventuell auf das Motiv wirft. Hellen Sie starke Schlagschatten mit einem Stück weißem Papier oder Pappe auf.
- 3. Konzentrieren Sie sich auf ein Detail ihres Motivs, setzen Sie Schärfe und Unschärfe zur Betonung der wesentlichen Motivteile ein. Eine möglichst große Blende wie f2,8 löst das Motiv vom Hintergrund.
- 4. Fotografieren mit Selbstauslöser erlaubt ein erschütterungsfreies Auslösen ohne Verwackler.
- 5. Durch Abblenden lässt sich der Schärfentiefebereich erweitern
- 6. Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 fallen nur noch 25 Prozent des Lichts auf den Film oder Sensor. TTL-Belichtungsautomatiken berücksichtigen dies automatisch. Ansonsten sollte der Lichtverlust durch eine längere Belichtungszeit oder eine größere Blende ausgeglichen werden.
- 7. Ein Stativ verringert die Gefahr des Verwackelns und erlaubt längere Verschlusszeiten, die wiederum mehr Schärfentiefe mit sich bringen.
- 8. Bevor Sie sich an die kompliziertere Blitztechnik wagen: Zuerst "nur" mit Tageslicht plus Aufhellkartons (gegen starke Schatten) arbeiten.
- 9. Gegenlicht (von vorne leicht aufgehellt) wirkt bei Pflanzenaufnahmen besonders fotogen.
- 10. Bei Kleinlebewesen: Schärfe auf die Augen legen.
Text: VVA Kommunikation GmbH
Bilder: Ulrich Hellinger

