Ohne Licht kein Foto - kein Foto ohne Licht
Verschiedene Lichtquellen
Morgens, mittags, abends
Blaue, grüne oder rote Stunde
Silhoutetten
Wenn die Tage länger werden
Ohne Licht kein Foto - kein Foto ohne Licht
Zwar sehen wir es meistens nicht, dafür die Objekte die es reflektieren: Licht beleuchtet unsere Welt. Es moduliert Oberflächen und schafft räumliche Tiefe. Für den Fotografen ist es vor allem wichtig, zu erkennen, aus welcher Richtung und mit welcher Intensität das Licht leuchtet. Denn verschiedene Lichtsituationen kreieren ganz bestimmte Emotionen und Stimmungen. Licht gehört damit zu den wichtigsten Werkzeugen des Fotografen. Zusätzliche Lichtquellen und die Wahl des richtigen ISO-Wertes an der Digitalkamera sowie verschiedene Filter eröffnen unzählige kreative Möglichkeiten der Lichtgestaltung.
Verschiedene Lichtquellen
Beim Licht unterscheidet man drei Gruppen von Lichtquellen: natürliches Licht (Sonne, Mond, Sterne), vorhandene Kunstlichtquellen (Deckenlampen, Strahler bis hin zu Kerzen) und zusätzliche Lichtquellen (Fotolampen, Blitze etc.).
Die wichtigste Lichtquelle von allen ist die Sonne. Ihr Licht gilt, egal zu welcher Tageszeit, als natürlich. Selbst künstliche Lichtquellen werden als naturgetreu empfunden, wenn ihr Licht "sonnengleich" von oben oder von der Seite kommt. In Innenräumen unterstützt zumeist künstliches Deckenlicht das Fensterlicht von der Seite. Allgemein bezeichnet man diese vorhandenen Lichtquellen als "Available Light". Erst das mitgebrachte Blitzlicht oder die aufgestellten Fotolampen werden als zusätzliche Lichtquellen angesehen, die sich aber auch mühelos mit dem vorhandenen Licht kombinieren lassen. All diese Lichtquellen erfordern beim Fotografieren unterschiedliche Herangehensweisen - weshalb der Fotograf sie nicht nur kennen, sondern vor allem erkennen sollte.
Morgens, mittags, abends
Wenn morgens die Sonne aufgeht, kommt das Licht rötlich gefärbt von der Seite. So ergeben sich lange Schatten und harte Konturen. Bis zum Mittag verändert sich das Sonnenlicht immer mehr in Richtung blau, um dann am Nachmittag erneut rot bis rotviolett zu werden. Für ein klares, eher neutrales Bild mit wenig Schatten und viel Licht, wie es beispielsweise bei Landschaftsaufnahmen, Stadtansichten und Menschen am Strand gefordert wird, fotografiert man am besten in den Mittagsstunden. Für ein romantischeres Motiv, wie beispielsweise eine gemütliche Runde unter Freunden oder ein klassisches Porträt, ist das schöne, weiche, leicht rötliche Licht des Nachmittags ideal. Der seitliche, flache Lichteinfall moduliert und formt dann Ihr Motiv. Die Morgen- und Abendstunden eignen sich dagegen vor allem für kontrastreiche Landschafts- und Personenaufnahmen. Durch die noch tiefer stehende Sonne ergeben sich spannungsreiche Licht- und Schattenspiele, die Ihrem Bild eine besondere Plastizität verleihen.
Die Farbtemperatur des Lichts wird in Kelvin (K) gemessen. Klares Sonnenlicht hat beispielsweise 5.500 K, rotes dagegen 3.600 K (siehe Tabelle). Jede Stunde des Tages bringt ihr eigenes Licht, besonders wenn die Sonne durch die Wolken scheint. Ist das Wetter diesig und bedeckt, nutzen Sie die Chance, um möglichst schattenfrei und kontrastarm zu fotografieren.
Tageslichtquellen | Farbtemperatur (K) | |
Sonnenaufgang und -untergang | 3.000 | |
Fotografisches Tageslicht | 5.500 | |
Mittagssonne/Klarer Sommerhimmel | 5.500 bis 6.000 | |
Mittagssonne/Klarer Sommerhimmel | 5.000 bis 7.000 | |
Bewölkter Himmel | 7.000 | |
"Echtes" Tageslicht (wolkenlos) | 12.000 bis 18.000 | |
|
| |
Künstliche Lichtquellen | ||
40-Watt-Glühlampe | 2.650 | |
100-Watt-Glühlampe | 2.900 | |
Kerzenlicht | 2.900 | |
Halogenlampe | 3.200 bis 3.400 | |
Warme weiße Fluoreszenzröhre (Neonröhre) | 4.000 | |
Elektronenblitz | 5.500 bis 6.500 |
Blaue, grüne oder rote Stunde?Unser Auge empfindet jedes Licht als weiß, der Sensorchip unserer Kamera hingegen lässt sich nicht so leicht überlisten. Neonlicht hat beispielsweise einen grünen Farbton, Sparstromlampen dagegen eine gelbgrüne, Glühlampen eine gelbe und Kerzen eine gelbrote Farbtönung. Das muss beim Fotografieren berücksichtigt werden, zum Beispiel mit einem Weißabgleich bei digitalen Kameras. Berücksichtigen Sie aber auch, dass die das Motiv umgebende Farbatmosphäre (roter Rettungsring vor weißem Segelboot u.ä.) Einfluss nimmt und ein Porträt oder einen Gegenstand eventuell einfärbt. Eine Personengruppe unter einem grünen Blätterdach im Wald bekommt eine ungesunde (grüne) Gesichtsfarbe - das weiße Tageslicht wird reflektiert und nimmt so die Farbgebung an. Wenn dieser Effekt nicht gewünscht ist, lässt sich das leicht mit dem Aufhellblitz, der ja ein rein weißes Licht hat, korrigieren. Digitalkameras bieten für diesen Zweck die Korrektur mittels manuellem Weißabgleich - schnell ist der unerwünschte Farbstich aufgehoben! Und selbst wenn das Bild schon "im Kasten" war, ist nicht alles verloren. Farbstichige Bilder lassen sich am heimischen Computer nachbearbeiten, fast alle gängigen Bildbearbeitungsprogramme bieten eine Fülle von Optionen, mit denen Farbstiche entfernt werden können.
Einen durchaus gewünschten Farbstich bringt hingegen die "Blaue Stunde" mit sich. Mit diesem Begriff bezeichnet man die Zeit nach Sonnenuntergang, in der die Sonne am Horizont nicht mehr sichtbar ist, ihre Strahlen den Himmel aber trotzdem noch aufhellen. Aber aufgepasst: Diese Zeitperiode ist sehr kurz. Nur 15 bis 30 Minuten ist gutes Licht vorhanden - falls weder Wolken noch Dunst den Himmel bedecken. Gute Planung ist deshalb unerlässlich. Bereits im Vorfeld sollten Standort, eventuelle Motive und Ausrüstung ausgesucht und einsatzbereit sein. Dann lädt die Blaue Stunde zu spannenden und stimmungsvollen Aufnahmen ein.
Silhouetten
Wo Licht ist, ist auch Schatten! Das muss nicht unerwünscht sein, denn viele attraktive Aufnahmen entstehen erst durch diesen kontrastierenden Gegensatz von hell und dunkel. Zielt man aus einem dunklen Umfeld heraus (Tor, Waldrand u.ä.) auf eine helle Fläche oder einen hellen Platz, so entstehen Aufnahmen, die durch diese besondere Lichtstimmung zum Leben erweckt werden. Gleiches gilt für reine Gegenlichtaufnahmen. Die Lichtquelle steht hier nicht, wie sonst sinnvoll und üblich, im Rücken des Fotografierenden, sondern kommt frontal von vorne. Ein Schattenriss oder eine Silhouette abstrahiert dann das Motiv und gibt ihm so (als Vordergrund) einen schönen Kontrast zum (richtig belichteten) Hintergrund. Wenn das Motiv eine Person ist, sollte diese im Profil zu sehen sein. Und vielleicht hält der Abgebildete auch etwas in der Hand, was ihn identifiziert, denn die Reduzierung darf nicht so stark sein, dass die Szene nicht mehr zu verstehen ist. Entscheidend ist, dass der Belichtungsmesser der Kamera die Lichtstimmung des Hintergrundes misst, so dass der im Schatten stehende Vordergrund fast schwarz "zuläuft". Stellen Sie deshalb die Lichtmessung auf "Spotmessung", und visieren Sie einen neutral beleuchteten Punkt an. Fixieren Sie diesen Wert, und wenn der Ausschnitt Ihren Vorstellungen entspricht, machen Sie das Bild. Manche Kameras bieten auch eine Option zur Belichtungskorrektur, mit der Sie bewusst unter- oder überbelichten können. Versuchen Sie einmal, mit dieser "Kontraststeuerung" das Bild zu verbessern. Die Ergebnisse können Sie bei der Digitalkamera direkt auf dem Display kontrollieren.
Wenn die Tage länger werden
In den Wintermonaten kann gerade das Kunstlicht - und hier besonders das Blitzlicht ? seine Qualitäten beweisen. Gerade die Mischung aus restlichem Tageslicht und Kunstlichtquellen ergibt eine anheimelnde Ausstrahlung. Straßenlaternen, strahlende Schaufenster, Autoscheinwerfer und Reklametafeln beleuchten mit farbigem Licht unsere Straßen. Bei solchen Aufnahmen ist "Falschfarbigkeit" erwünscht, denn es geht mehr um den ungewöhnlichen Color-Tupfer, der dem Bild seine Lebhaftigkeit verleiht. Richten Sie Ihre Messung auf die Lichtquelle, und ermitteln Sie hier den passenden Wert. Akzeptieren Sie, dass Teile des Bildes dunkel oder sogar schwarz werden - das steigert durch den Hell-Dunkel-Kontrast die Farbigkeit des vorhandenen Lichts.
Versuchen Sie außerdem auch mal eine Langzeitbelichtung, in der sich bewegende Lichtpunkte verwischen oder als Linien festgehalten werden. Um beispielsweise die Bewegung der Sterne am nächtlichen Himmel festzuhalten, sollten Sie sich einen Standort mit sehr wenig Umgebungslicht suchen, am besten außerhalb der Stadt. Stellen Sie die Kamera auf ein Stativ, und wählen Sie eine möglichst große Blende (2,8 bis maximal 4). Machen Sie dann Aufnahmen mit verschieden langen Belichtungszeiten (z.B. 5, 10, 20 Minuten), und tasten Sie sich auf diese Weise an die richtige Belichtung heran.
Je nach Umgebung lässt sich der Vordergrund auch mit einem Aufhellblitz erhellen, ohne dass die Lichtatmosphäre im Hintergrund zerstört werden muss. Einige Digitalkameras bieten hierfür einen speziellen Nachtaufnahmemodus, bei dem das gewählte Motiv automatisch angeblitzt und der Hintergrund mittels Langzeitbelichtung stimmungsvoll ins Bild gebracht wird.