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Kinder & Jugendliche fotografieren

Eingetragen am 29.04.08 in Workshops von

Zoomin



Es gibt jede Menge Anlässe, Kinder zu fotografieren. Neben Urlaub, Geburtstagen und Familienfesten ergeben sich auch im ganz normalen Alltag ständig neue Szenen, die es lohnen, festgehalten zu werden: das Plantschen in der Badewanne, die ersten Erlebnisse im Schwimmbad, das Vorführen der neuen Schuhe oder ein Fahrradrennen.

Inhalte dieses Beitrages

Kinder und Jugendliche fotografieren
"Dos" and "Don'ts" in der Kinderfotografie
Ins rechte Licht gerückt
Der "geplante Schnappschuss"
Geordnetes Chaos
Das Davor und das Dahinter
Von nah und fern Die Blende schafft Stimmung
Kreative Hilfsmittel
Kinderportraits mit Köpfchen

 

Kinder und Jugendliche fotografieren

Es gibt jede Menge Anlässe, Kinder zu fotografieren. Neben Urlaub, Geburtstagen und Familienfesten ergeben sich auch im ganz normalen Alltag ständig neue Szenen, die es lohnen, festgehalten zu werden: das Plantschen in der Badewanne, die ersten Erlebnisse im Schwimmbad, das Vorführen der neuen Schuhe oder ein Fahrradrennen. Im Idealfall lässt sich sogar eine selbst gestaltete Szene arrangieren. Auch daran werden dann, wenn man es richtig macht, alle Akteure ihren Spaß haben. Kurz und gut: Es gibt viele Wege, für die eigene Familie Erinnerungswerte zu schaffen, die noch in Jahren begeistern. Wir geben Ihnen Tipps, was Sie beachten sollten, um dabei erfol


"Dos" and "Don'ts" in der Kinderfotografie

Als Fotografierender sind Sie nun nicht mehr Elternteil oder Erzieher, Sie sind Reporter, Dokumentarfotograf, manchmal auch Regisseur. Das heißt, so wie Sie sich auch bei anderen Gelegenheiten rücksichtsvoll zurückhaltend der Szene nähern, so ist auch hier ein richtiger Plan angebracht. Kinder, denen man ein Kartenspiel hinhält und fordert: "Nun spielt mal schön, ich mach jetzt ein paar Fotos!", werden sicher kein stimmiges Bild abgeben. Lässt man aber eine Runde in Ruhe ein Kartenspiel machen und gesellt sich später einfach dazu, dann wird sich auch weiterhin die Konzentration auf das Spiel beziehen - eine gute Gelegenheit, genau diesen gespannten Eifer in den Gesichtern festzuhalten. Ältere Kinder lassen sich auch von einem Tanzspiel mit Musik oder einer spannenden Rätselaufgabe begeistern. Bleiben Sie in jedem Fall geduldig und unauffällig, beobachten Sie die Szenerie und machen Sie mal hier und da eine Aufnahme - langsam vergessen die Kinder dann den Fotografen und benehmen sich ganz natürlich. Das ist der richtige Moment, und Sie sind dran!


Ins rechte Licht gerückt

Schon bevor Sie das erste Bild machen, sollten Sie sich mit Ihrer Kamera und mit den räumlichen Gegebenheiten auseinandersetzen. Hohe ISO-Zahl oder Blitz, vorhandene Lichtsituation oder künstliche Aufhellung, das sind die Fragen, die Sie vorher geklärt haben müssen. Zwar haben Sie mit der Digitalkamera den Vorteil, auch schnell mal die "Filmempfindlichkeit" auf die gegebenen Lichtverhältnisse umstellen zu können. Dennoch ist vielleicht genau in dem Moment, in dem Sie sich mit der Technik beschäftigen, der richtige Augenblick, das schönste Motiv verpasst.
Wenn Sie auf gelungene Aufnahmen von Kindern aus sind, ist generell davon abzuraten, genau dann mit Experimenten zu beginnen. Neue und unbekannte Hilfsmittel können Sie wann anders ausprobieren. Nutzen Sie stattdessen Ihre Erfahrungen! Wichtig bei der Lichtgestaltung: Kein direktes, hartes Blitzlicht einsetzen, dieses überstrahlt sonst das weiche kindliche Motiv! Sinnvoll ist eher die Mischung aus vorhandener Lichtquelle (Deckenlampe, Tageslicht) und leichtem Aufhellblitz von vorne. Bedenken Sie aber, dass für die manchmal spontanen Bewegungen kurze Belichtungszeiten notwendig sind, ein Aufhellblitz "friert" den Schwung ein. (Übrigens: Entgegen landläufiger Meinung, schädigt das Blitzlicht Kinderaugen nicht.) Lotsen Sie im Freien die Kinder wegen der geringeren Kontraste in den Halbschatten. Dadurch erreichen Sie ausgewogenere Aufnahmen mit einer gleichmäßigen Ausleuchtung. Bei Aufnahmen in Räumen erhöhen Sie das allgemeine Licht. Je weniger Ihr (Zusatz-)Licht auffällt, umso besser.


Der "geplante Schnappschuss"

Ein Tischfußballmatch, Bausteine, ein gewagter Ritt auf dem Skateboard - mit vielen Spielen kann man Kinder begeistern. Die konzentrierte Beschäftigung eines Einzelnen, wie Lesen, Malen oder auch Zuhören beim Vorlesen, kann die Abzubildenden vom Fotografen ablenken. Das alles kann man vorbereiten, die richtige Szene in der Wohnung aussuchen, Licht installieren. Die Kinder sollten bequeme Kleidung tragen, in der sie sich wohl fühlen. Ein schönes, aber steifes Kleid erkennt man unweigerlich in den Gesichtszügen. Außerdem: Keine Kuchen oder Getränke (es sei denn, das ist Ihr Thema), denn kauende Menschen sehen immer unschön aus! Jugendliche wollen in der Regel eher demonstrieren, was sie können (Jonglieren, Handstand, Ballspiele), kleinere Kinder präsentieren gern ihre "Kuscheltiere". Machen Sie sich also Gedanken darüber, was Ihr "Fotomodell" tatsächlich interessiert, dann gelingt auch Ihr "Schnappschuss". Halten Sie Ihre Speicherkarten bereit, die Szene verschwindet so schnell, wie sie gekommen ist. Lassen Sie sich nun von Telefonklingel oder Termindruck nicht mehr stören.


Geordnetes Chaos

Kinder und Jugendliche haben mit Gleichaltrigen am meisten Spaß. Gönnen Sie ihnen eine Party, ein Fest oder ein Picknick. Ein weiterer Erwachsener sollte dabei die Kontrolle behalten und Spiele oder das Programm organisieren. Denken Sie daran, Kinder leben aus dem Augenblick heraus und lieben das Spontane. Das heißt vor allem: Nichts sollte ewig dauern. Die Spiele dürfen eher kurz sein, eine komplizierte und langwierige Vorbereitungszeit lähmt das Geschehen. Passen Sie sich mit Ihren Fotovorstellungen diesem schnellen Szenenwechsel an, und planen Sie auf jeden Fall Pausen mit ein.
Kinder lieben es außerdem, sich zu verkleiden. Nutzen Sie diesen Gestaltungsdrang zum "dramatischen" Schauspielern in verrückten Kostümen, um die phantasievollen Geschöpfe aufzunehmen. Jetzt kann man mit Anweisungen, wie ein richtiger Regisseur, die Akteure zu einer Szene arrangieren. Aber bedenken Sie, dass auch hier die Aufnahme zügig "im Kasten" sein muss. Mit Gespür lassen sich nun auch weitere Posen ausprobieren.


Das Davor und das Dahinter


Das Kinderzimmer ist zwar kein Fotostudio, aber es ist der natürliche Raum für ein Kinderbild. In dieser Umgebung fühlt sich das Kind automatisch wohl, es agiert natürlich. Nutzen Sie diese Unbefangenheit für aussagekräftige Porträts. Beziehen sie dabei die Umgebung mit ein. Aber vielleicht sollte das große Comic-Poster nicht das Bild bestimmen, nicht die Geburtstagsdekoration vom letzten Jahr, und auch die vielen Aufkleber auf der Kinderzimmertür sind eher als eigenes Motiv von (dokumentarischem) Interesse denn als Hintergrund für ein gelungenes Kinderfoto geeignet. Ein großer Tisch, ein monochromer Teppich oder die Wand ohne kleinteilige Bilderflut sind dagegen als Hintergrund ideal. Im Freien wiederum sind Rasenfläche, Hecke oder Spielplatz besser als Fußgängerzone und Plakatwand. Und nicht vergessen: In so manchem Kinderzimmer entpuppt sich das Spielzeug als Stolperfalle für den Fotografen. Passen Sie also auf, wo Sie hintreten!


Von nah und fern

Je unauffälliger die Kamera, umso einfacher können Sie arbeiten. Und je weniger Brimborium Sie um Ihre Technik machen, umso sicherer können Sie frei fotografieren. Eine Kompaktkamera eignet sich dank ihrer Handlichkeit hervorragend, um schnell einmal Schnappschüsse aus ungewöhnlichen Perspektiven zu "schießen". Kreativere Möglichkeiten bietet die Spiegelreflexkamera oder die Kompaktkamera mit Zoom. Ein Weitwinkel (z.B. 35 mm analog KB) fängt leicht die ganze Gruppe ein und schafft schneller eine größere Schärfentiefe. Mit einem Zoomobjektiv (z.B. 80-120 mm analog KB) kann man aus sicherer Entfernung einzelne Kinder fotografieren. Beachten Sie aber, dass hier eine kürzere Belichtungszeit notwendig ist, um aus der Hand ein scharfes Bild zu erreichen. Richtwert: Brennweite entspricht der kürzesten Belichtungszeit (120 mm analog KB = 1/125 Sek.). Das ist deswegen von Bedeutung, weil ein Stativ bei Kinderaufnahmen sehr unpraktisch ist. Es steht im Wege, und auch die Beweglichkeit des Fotografen ist eingeschränkt. Außerdem: Wechseln Sie beim Fotografieren den Aufnahmestandort, und gehen Sie vor allem auch mal in die Knie, auf Augenhöhe mit Ihren Modellen. Der ewig verkleinernde Blick von oben herab beschränkt sonst deutlich die Bildaussage.


Die Blende schafft Stimmung

Versuchen Sie einmal, mit der selektiven Schärfentiefe zu arbeiten. Durch die Begrenzung der scharfen Bereiche im Foto können Sie die Bildaussage gezielt beeinflussen. Nutzen Sie dazu die Möglichkeiten, ein Motiv durch die Wahl der Blende zu gestalten. Mit hoher Blendenzahl (22; 16; ...) erreichen Sie eine große Schärfe über das ganze Bild und binden so alle Beteiligten in eine Szene. Mit kleiner Blendenzahl (1,8; 2,0; ...) trennen Sie das scharf eingestellte Porträt vom Hintergrund und konzentrieren den Blick auf das Kind. Beachten sollten Sie dabei, dass die meisten Digitalkameras aufgrund der geringeren Abmessungen des Sensor-Chips bei gleicher Brennweite und Blende über einen größeren Schärfentiefenbereich verfügen als analoge Kleinbildkameras. Was also bei der Landschafts- oder Makrofotografie große Vorteile bietet, macht die Sache bei Kinderporträts, bei denen größere Bereiche des Bildes eine geringe Schärfentiefe aufweisen sollen, etwas schwieriger. Mit etwas Geschick fangen Sie auch mit der Digicam wundervolle Stimmungen ein. Tipp: Machen Sie lieber ein paar Bilder mehr, das richtige Bild können Sie dann später aussuchen.


Kreative Hilfsmittel

Versuchen Sie auch einmal, die Filterfunktionen Ihrer Digitalkamera kreativ einzusetzen. Mit dem Softfilter beispielsweise können Sie in Verbindung mit einem schönen Seitenlicht verträumte Porträtaufnahmen auf den Sensor bannen. Zeigen Sie Ihren "Modellen" das Ergebnis auf dem Display, das reizt, für weitere Aufnahmen zu posieren! Eine schöne Stimmung erreichen Sie außerdem durch die Reduzierung auf Schwarzweiß. Besonders Porträtaufnahmen wirken dadurch gewissermaßen zeitlos. Mit dem Sepia-Filter hingegen können Sie mit Kindern wunderbar Verkleidungsszenen gestalten. Lassen Sie zum Beispiel bei einer Geburtstagsparty die ganze Rasselbande in Cowboy- und Indianerkostüme schlüpfen. Ausgestattet mit zusätzlichen Requisiten (Indianerzelt, Lagerfeuer, Lasso, "Friedenspfeife") und in der richtigen Umgebung aufgenommen, wirken die fotografierten Szenen durch die Sepiatonung erst so richtig "echt" und bekommen einen nostalgischen Touch. Gleichzeitig sind solche Bilder auch fabelhaft als Erinnerungsgeschenk für die kleinen Partygäste geeignet, mit einem Tintenstrahldrucker im Haus haben Sie die Bilder sogar schon beim Abschied parat.


Kinderportraits mit Köpfchen

Kinder und Jugendliche kann man auch zu einem richtigen "Fotoshooting" einladen. Zeigen Sie vorher die Örtlichkeit, welches Licht Sie benutzen wollen, und erklären Sie, wie lange die Aufnahmen dauern. Reden Sie mit Ihrem "Modell", erklären Sie, was Sie gerade machen. Nichts verunsichert ein Kind mehr, als wortlos auf die nächsten Aktivitäten und Ankündigungen zu warten. Geben Sie Ihrem Modell Sicherheit, sagen Sie ihm, dass es gut aussieht. Das wollen Kinder und besonders Jugendliche hören. Und so, wie auch Erwachsene oft nicht wissen, wohin mit ihren Händen, so geht es auch Kindern. Ein großes Spielzeug, eine Sonnenblume oder ein schöner Stuhl geben die Gelegenheit, sich selbst und die Hände sinnvoll zu platzieren.
Das "Studio" sollte ein schönes Seitenlicht haben, einen ruhigen, einfarbigen Hintergrund. Unterhalten Sie sich mit dem Kind über sein liebstes Hobby, über den nächsten Urlaub, aber nicht über Blende, Zeit und "Jetzt nicht wackeln!". Schaffen Sie eine entspannte und unverkrampfte Atmosphäre. Der Hintergrund für solche Porträts sollte neutral sein, als Brennweite empfiehlt sich eine leichte Teleeinstellung (z.B. 85 mm analog KB).


Bilder: VVA Kommunikation GmbH, Christoph Streit




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